Spring auf, spring auf, auf den Zug der Laizisten! Heute: JuLi!

Weg damit, nicht mehr davon, Liberalistenlümmel!Hey, guck mal mal, wer aufgewacht ist und auf den Laizimus-Zug aufspringt: die Jungen Liberalen!

Das böse Wort “Laizismus” nehmen sie dann doch nicht in den Mund, aber als sog. “Liberaler” weiß man ja, was wirklich wichtig ist - Geld1):

So fordern die Jungen Liberalen die Abschaffung der Kirchensteuer und des Status der Körperschaften des öffentlichen Rechts, um alle Bekenntnisgemeinschaften gleich behandeln zu können.

Junge Liberale Niedersachsen beschließen Offene Religionspolitik

Das klingt ja schon ganz gut - aber wer beim Lesen von FDP-Pamphleten kein schwummriges Gefühl hat, dem mangelt es an Lebens- und/oder Politik-Erfahrung. Ganz ihren Idealen des Liberalismus verpflichtet und offen für jeden Beitrag fordern sie dann noch mehr Gotteswahn:

Die Jungen Liberalen wollen die Kooperation von Staat und Kirchen erhalten. Die Kooperation dürfe aber nicht auf die Kirchen beschränkt bleiben. Die Zusammenarbeit mit dem Staat müsse allen Bekenntnisgemeinschaften offen stehen. Die islamische Theologie gehöre ebenso an die Universitäten wie ein säkular-weltanschaulicher Bekenntnisunterricht in den Schulen nicht länger von Behörden verhindert werden darf.

Junge Liberale Niedersachsen beschließen Offene Religionspolitik

Wer islamische Theologie an Universitäten und säkular-weltanschaulichen Unterricht gleichsetzt, beweist entweder geringen Sach-Verstand oder geringes Sach-Interesse, auf jeden Fall aber, dass er aus der Geschichte nichts gelernt hat. Da ist weder “jung” noch “liberal” eine Ausrede.

Wenn es eine liberale Haltung ist, die Kooperation von Staat und Kirchen zu bejahen und zu fördern, dann kann ich nur sagen: Es ist gut, wenn man seinen Kopf offen hält für Neues, aber nicht so offen, dass einem der Verstand rausfällt!

Na, freuen wir uns auf scientologische Therapie-Zentren (bestimmt viel billiger als der ganze Psychologie-Quatsch), Jedi-Grundschulen, Homöopathische Notfallkrankenhäuser, Hindi-Ernährungsberatung, animistische Unternehmensberatung und keltische Raumplanung.

Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.

[..]

Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.

Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 1944 2)

Solange Alleinigkeitsanspruch und Missionierungsgebot innerhalb eines Kultes existieren, kann er nicht tolerant sein und nicht Teil eines demokratischen Staates. Punkt und aus.

1) zugegebenermaßen stark vereinfacht, aber nicht falsch
2) 5. Auflage 1977, Bd. 1, S. 359, Anm. 4
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