Spring auf, Spring auf - strauchelt die Linke doch nicht am Maulwurfshügel?
Bringen wir es auf den Punkt: Die LINKE hat Angst. Angst irgend jemandem auf die Füße zu treten. Ausser vielleicht den bösen Kapitalisten. Die LINKE möchte nicht so aussehen wie die SED. Verständlich - auch wenn es heute schon eine ganze Reihe von Leuten (wahlberechtigt) gibt, die nicht wissen, was denn die SED ist. Egal. Aber die LINKE sollte bemüht sein, wie eine Partei auszusehen. Wenn möglich, wie eine Partei, die Gleichheit und Gerechtigkeit ernst nimmt.
Zur Zeit streiten die LINKEN - untereinander - wie man es denn so mit der Trennung von Staat und Kirchen halten soll. So fernab von allen “ideologischen Grundsätzen” - wo kämen wir dahin, wenn man plötzlich solche schrecklichen starren Grundsätze hätte, auf die man sich berufen könnte, so als festen Konsens und nicht alles zum Einzelfall relativieren und gepflegt zerreden könnte, bis es keinen mehr interessiert und der Handlungsdruck weg ist!?
Frisch, fromm und flau vorgelegt findet der Entwurf “lieblieb” erstaunlicherweise Widerworte - Jesusmaria, glauben wir denn nicht alle an den lieben Gott, Genossen?
Gerüttelt wird weder an der Kirchensteuer noch am Religionsunterricht, von dem lediglich verlangt wird, er müsse die 'wechselseitige Toleranz der Glaubensgemeinschaften fördern'.
Süddeutsche vom 09.03.2001: Linke streitet über Laizismus
Gegen so viel Zurückhaltung formiert sich nun massiver Widerstand. Als 'insgesamt diffus, unterwürfig, redundant und ohne eigenständige, erkennbare Richtung' werden die religionspolitischen Formulierungen in der parteiinternen Online-Debatte zum neuen Programm kritisiert.
Bei den LINKEN gibt es nämlich noch solche Leute wie Raju Sharma, so ein Ungläubiger linker Unruhestifter Genosse, der Laizismus für eine gute Idee hält (wie eine Menge gläubiger Menschen übrigens auch).
Raju Sharma hat zusammen mit der Vize-Vorsitzenden Halina Wawzyniak einen alternativen Programmentwurf vorgelegt, in dem eine Gesellschaft gefordert wird, 'in der bei einer klaren Trennung von Staat und Kirche alle Religionen gleichermaßen geschützt sind', die Kirchensteuer abgeschafft, Kruzifixe und andere religiöse Symbole aus allen öffentlichen Gebäuden verschwunden sind - ebenso wie der Bezug auf Gott aus der Verfassung.
Süddeutsche vom 09.03.2001: Linke streitet über Laizismus
'In dieser Gesellschaft hat Gott einen Platz in den Herzen der Menschen, die an ihn glauben, nicht aber in der Präambel des Grundgesetzes', heißt es im alternativen Entwurf. Staat und Kirche seien in Deutschland 'zu sehr verbandelt', klagt Sharma. Linken Widerstand dagegen hält er für selbstverständlich: 'Ein demokratischer Sozialismus, der auf Pluralismus aufbaut, braucht Laizismus.'
Da bangt der Genosse Bodo Ramelow (2011 Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag) denn auch schon mal um sein Seelenheil und geht in die Knie.
Angesichts der Geschichte der SED empfiehlt Ramelow seiner Partei, sich jeder 'Attitüde, die antikirchlich daherkommt' zu enthalten. 'Wenn der Laizismus das Einstiegsportal ist für den Atheismus, und wir uns zu einer atheistischen Partei wandeln', warnt Ramelow, 'dann bin ich schneller draußen als irgendwer glaubt, dass ich meine Seele belaste.'
Süddeutsche vom 09.03.2001: Linke streitet über Laizismus
Mal ganz ehrlich, Herr Ramelow - wenn Sie das, was Sie für ihr “Seelenheil” halten, von einer Institution wie der christlichen Kirche abhängig machen, was zur Hölle haben sie dann gegen das Großkapital und den Kapitalismus?
Unterm Strich: Wenn die LINKE sich nicht endlich traut, ein eigenes, streitbares demokratisches Profil zu entwickeln, welches sich nicht erschöpft in träumerischen Sozial-Forderungen, deren Durchsetzung ihnen - zumindest zur Zeit - sowieso niemand ausserhalb der eigenen Reihen zutraut, dann wird sie jenseits der Talkshows bedeutungslos werden. Was bedauerlich wäre, da ihre Forderungen von weitaus mehr Wählern unterstützt werden als sie dann wählen. Fragt euch mal warum und sagt nicht gleich, der Kommunismus ist Schuld.
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