Lauter Atheismus und stiller Theismus - Meinungsfreiheit vs. Blasphemie-Gesetze

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Der Vorwurf der Aggressivität hat uns Atheisten in dem Land der Dichter und Denker noch nicht so richtig erreicht - zumindest wenn man ein „christlicher Atheist“ ist. Der „tibetische Atheist“ ist schon mal sehr, sehr unhöflich. Doch wehe dem „islamischen Atheisten“ - mehr als das Totschlag-Argument der Islamophobie hat er nicht zu erwarten.

Pat Condell vergleicht den Vorwurf der Aggressivität, den Gläubige den Atheisten machen, mit dem Verhalten eines Straßenräubers, der zur Polizei rennt, wenn seine Opfer sich zur Wehr setzen. „Aggressiver Atheismus“ ist nicht mehr als Notwehr - angefangen von den Belästigungen freiflottierender Gottessehnsucht eigentlich ungläubiger Apa-Theisten bis zu den menschenverachtenden Irrsinns-Übergriffen der unverhohlenen Hass-Predigten der christlichen Taliban (so viele gibt's davon bei uns noch nicht, aber ich sehe auch nicht, dass die, die es gibt, verlacht und gesellschaftlich ins Abseits gestellt würden).

Was vertreten Atheisten denn so aggressiv? Zum Beispiel das Recht auf Meinungsfreiheit. Und sind Atheisten dabei tolerant gegenüber Leuten, die dieses Recht nehmen wollen? Natürlich nicht.

Und so räumt Pat Condell denn auch freimütig ein, dass er intolerant ist. Sogar absolut intolerant gegenüber: Misogynie, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Tierquälerei.

Aber es kommt noch schlimmer: Wenn dummdreist Religion als Entschuldigung für all das verwendet wird, dann wird Pat Condell offen feindselig und gedenkt sich auch keineswegs dafür zu entschuldigen. Warum auch?

Glauben pervertiert das menschliche Leben, er ist geschaffen, um unsere Erfahrungen, unsere Wahrnehmungen zu vergiften, nicht sie zu vertiefen und zu erweitern.

Glauben läßt die Menschen stolz sein auf Sachen, für die sie sich schämen sollten und läßt sie sich schämen für Dinge auf die sie stolz sein sollten.

Das Wiedererstarken eines eisenzeitlichen Glaubens führte dazu, dass den Homosexuellen Bürgerrechte aberkannt wurden, genau an dem Tag, an dem ein Farbiger Präsident wurde in einem Land, welches Sklaverei einführte, als wir uns mit Kant aufklärten.

Und um zu verhindern, dass all die Gläubigen Dinge hören könnten, die ihren nur spärlich genutzten Verstand aus der Steinzeit katapultieren könnten, werden wir bald ein weltweites Blasphemie-Gesetz bekommen!

Combating defamation of religions“ nennt sich das, ist bei der UN schon als „nicht-bindender Entschluss“ durch und soll 2010 dann endlich verbindlich werden. (Ausführlich hier: Diffamierung von Religionen als neues Menschenrechtskonzept? )

„Das kommt nie durch! Ist doch gegen's Grundgesetz.“ war die häufigste Reaktion, die ich hörte. „Schließlich gibt's ja noch das Bundesverfassungsgericht!“ Stimmt, Leute wie Hans-Jürgen Papier, integer und konfliktfreudig, aufrechte Juristen und Demokraten… gut, Christ-soziale Demokraten, aber so jemand wie Papier würde doch nicht… oh, er würde?

Der Erste Senat unter Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier stellte mehrheitlich fest, dass Berlin derzeit keinen hinreichenden Schutz der Sonntage und der kirchlichen Feiertage gewährleiste.

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Ja, Herrschaften - was glaubt ihr denn, was wir Laien vom Grundgesetz verstehen?

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