Die alte Tante SPD hat was mit dem Pfaffen
Auch innerhalb der ehemaligen Volkspartei ist der schleichende Einzug der Kirchen in die Politik nicht unentdeckt geblieben. Wie zum Beweis (des schleichenden Einzuges) ertönt auch umgehend auf die angekündigte Gründung eines Arbeitskreises für Laizisten und Konfessionsfreie das Gekreische von SPD-Größen wie Wolfgang Thierse (Vize-Präsident des deutschen Bundestages und Mitglied im Zentralrat der Katholiken) und des Thüringer SPD-Chefs und Theologen Christoph Matschie: Interessen von Konfessionsfreien zu vertreten sei überflüssig, so Matschie und die Kirche aus der Politik zu halten, würde die Partei einengen, meint Herr Thierse.
Initiator Nils Opitz-Leifheit hat seinen Lebensmittelpunkt in der Nähe von Stuttgart, ist dort SPD-Ortsvereinsvorstandsmitglied, parlamentarischer Berater und stellvertretender Vorsitzender der AWO Bezirk Württemberg und wird so mit Realitäten konfrontiert, auf die man in Berlin nicht so weiteres stößt. Und er stellt nun der “alten Tante” SPD die Frage: “Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.”
Aber nun steht die SPD tatsächlich vor der Gretchenfrage, ob sie ihre ethische Grundlage auch noch aus Humanismus und Aufklärung bezieht, oder sich ihre moralische Grundlage vollends aus christlichen Bezügen zu holen. Und Christen behaupten ja gern, es gäbe gar keine anderen.
Nils Opitz-Leifheit: SPD-Laizisten: "Einfach nur auf der Höhe der Zeit"
Wer die Rolle und das Wirken der Kirche in Frage stellt, wird natürlich sofort diffamiert, hat aber letztlich das Grundgesetz auf seiner Seite, auch wenn es Deutschland nicht geschafft hat, die Trennung von Kirche und Staat in das Grundgesetz explizit aufzunehmen.
Der „kämpferische Atheismus“ ist eigentlich ein typisches Wortungetüm des Papstes, es ist lächerlich, uns so zu titulieren. Das soll sicherlich nur von einer sachlichen inhaltlichen Debatte ablenken.
Es geht uns nicht um eine Bekämpfung von Kirchen, sondern um einen weltanschaulich neutralen Staat. Und ein solcher sind wir ja eigentlich nach dem Grundgesetz, dies wird nur nicht genügend beachtet.
Nils Opitz-Leifheit: SPD-Laizisten: "Einfach nur auf der Höhe der Zeit"
Und Nils Opitz-Leifheit kommt zu dem ebenso einzig möglichen wie offensichtlichen Schluss: Kirchliche Vorstellungen (von “religiösen” wollen wir gar nicht sprechen) sind in überwiegenden Teilen unvereinbar mit sozialdemokratischen Grundsätze und den Ansichten der meisten Sozialdemokraten:
Aber von Umgang mit Homosexualität, den schwierigen Fragen im Zusammenhang mit der Patientenverfügung, Sexualerziehung, vollwertigem Ethikunterricht für Konfessionsfreie bis zu Scheidungsrecht und Frauengleichberechtigung sehe ich noch sehr viele Fragen, in denen zumindest die Katholische Kirche (Wolfgang Thierse ist ja im Zentralrat der Katholiken) Lichtjahre von der klaren Mehrheitshaltung der Sozialdemokraten entfernt ist. Und da sollte man auch klar Position beziehen und nicht Kircheninteressen zuliebe still halten.
Nils Opitz-Leifheit: SPD-Laizisten: "Einfach nur auf der Höhe der Zeit"
Nur verhindern Traditionsblindheit und Trägheit bei vielen diese Einsicht. Wir werden die Bemühungen von Herrn Opitz-Leifheit verfolgen, es wäre ihm und seiner ehemaligen Volkspartei zu wünschen, dass er Erfolge verzeichnen und Bewusstsein schaffen kann.


